Der unberührte Dschungel von Yunka

Halb versteckt zwischen dem tropischen Grün steht ein altes Holzhäuschen. Yunka steht auf dem Schild, das an der Fassade hängt. Es fühlt sich an, als betreten wir einen unentdeckten Ort. Hohe Bäume, ein schmaler, plätschernder Bach, ab und zu bewegt sich etwas. Aber der Dschungel um uns herum ist still. Totale Stille.

Ein Nebel hängt zwischen den Bäumen und sorgt für eine mysteriöse, spannende Atmosphäre. Dadurch ist es manchmal schwierig zu sehen, was um uns herum passiert. Irgendwann fühlt es sich an, als ob etwas uns beobachtet… Dann – zack! – schießt es zwischen den Sträuchern davon. Wir sehen gerade noch einen langen, flauschigen Schwanz verschwinden!

Ein gewundenes Pfädchen führt uns weiter in den Dschungel hinein. Weiter vorne steht wieder so ein Holzhäuschen. Guest House, steht diesmal auf dem Schild. Es scheint verlassen. Innen liegt ein Flyer auf dem Tresen über eine Tour mit einem Guide durch den überwucherten Regenwald… Und einer über eine Bootsfahrt auf dem Fluss. Hey, diese Bootsfahrt erinnert doch an die von uns, vor ein paar Tagen.

Mit jedem Schritt fühlt es sich an, als ob wir tiefer in den Dschungel eindringen. Immer stiller. Immer geheimnisvoller. An allem spürt man: Es lebt viel um uns herum. Doch… das Leben im Dschungel lässt sich nicht so leicht sehen. Bis wir einfach mal still stehen bleiben. Da, direkt vor uns… Augen in Augen mit einem wirklich beeindruckenden Tier. Wow, was für Krallen! Was könnte das sein…

In den kommenden Wochen werden wir Skizzen von allen Tieren anfertigen, die wir begegnen. Die Entdeckungsreise durch Yunka hat begonnen…

Zweifingerfaultier

Zweifingerfaultier

Da hängt er. Kopfüber. Als wäre die Welt für ihn genau andersherum. Mit langen, hakenförmigen Krallen klammert er sich an einen Ast. Mühelos. Stundenlang. Sein Leben spielt sich dort ab, hoch zwischen den Blättern. Ich spreche vom Zweifingerfaultier.

Blätter sind seine Nahrung. Zähe Kost, die wenig Energie liefert. Deshalb bewegt er sich langsam. Sehr langsam. Nur einmal pro Woche kommt er nach unten. Für einen kurzen, verletzlichen Weg zum Waldboden. Um seinen Kot abzusetzen.

Doch sein Wald wird stiller. Regenwald verschwindet, Bäume werden gefällt und manchmal werden Faultiere als Haustiere gefangen. Viele Menschen setzen sich für Faultiere und ihren Lebensraum ein, damit sie auch in Zukunft kopfüber hängen können.
Grüner Arassari

Grüner Arassari

Zwischen dem Grün blitzt plötzlich Farbe auf. Ein leuchtend bunter Schnabel hebt sich vom Blätterdach ab. Ziemlich groß. Vor allem auffällig. Dort sitzt er: der Grüne Arassari.

Mit einer präzisen Bewegung pflückt diese Tukanart Früchte von einem Ast. Ein Bissen. Noch einer. Sein Schnabel ist das perfekte Werkzeug, um an saftige Früchte zu gelangen. Und es gibt noch etwas Besonderes: Dieser Schnabel funktioniert wie eine eingebaute Klimaanlage. Durch die Regulierung der Durchblutung kann der Arassari Wärme abgeben… oder speichern.
Kaiserschnurrbarttamarin

Kaiserschnurrbarttamarin

Der Dschungel ist still. Nur ein Rascheln zwischen den Blättern… Und dann siehst du ihn: klein, schnell, mit einem beeindruckenden weißen Schnurrbart. Der Kaiserschnurrbarttamarin blickt kurz auf, während er geschickt durch die Äste klettert, auf der Suche nach Insekten.

Er ist nach Kaiser Wilhelm II. benannt, der für seinen auffälligen Schnurrbart bekannt war. Doch hinter diesem vornehmen Aussehen verbirgt sich ein schneller Kletterer. Kaiserschnurrbarttamarine haben krallenartige Nägel statt flacher Nägel. Perfekt für Halt und Geschwindigkeit zwischen Rinde und Blättern. Kurz darauf verschwinden sie wieder im Grün. Nur der Schnurrbart scheint noch einen Moment nachzuschweben.
Roter Tangare

Roter Tangare

Weiter hinten erklingt ein heller Pfiff. Was für ein schöner Klang. Dort sitzt er: der Rote Tangare. Ein kleiner roter Vogel, der sich nicht an unserer Anwesenheit stört.

Tangaren gehören zu den farbenprächtigsten Vögeln der Welt. Dieser Vogel mag klein sein, doch seine Farbe und sein Gesang fallen sofort auf. Im Dschungel flattert er zwischen den Ästen hindurch oder ruht im Grün. Hör gut hin auf diesen melodischen Gesang. Klein von Gestalt. Groß im Klang.
Weißgesichtsaki

Weißgesichtsaki

Hoch in den Baumwipfeln sitzt ein stilles Paar: die Weißgesichtsakis. Meist zu zweit, manchmal mit einem Jungtier. Der Unterschied ist sofort sichtbar. Das Männchen trägt eine auffällige weiße Maske. Das Weibchen ist grau und dezenter gefärbt. Ein Jungtier ist ebenfalls grau. Erst nach zwei Monaten wird sichtbar, ob es ein Männchen oder Weibchen ist.

Sakis sind echte Nussknacker. Mit ihren scharfen Zähnen öffnen sie mühelos harte Nüsse. Und was sie nicht mögen? Das lassen sie einfach fallen. Aus großer Höhe. Also… besser aufpassen, wo du gehst.
Montserrattrupial

Montserrattrupial

Unter einem großen Palmblatt hängt ein Nest, das sich sanft im Wind bewegt. Dort lebt der Montserrattrupial. Das lange, geflochtene Nest hängt wie ein Beutel unter den Blättern. So sind die Eier besser vor Räubern geschützt. Deshalb wird dieser Vogel auch Beutelstärling genannt.

Doch diese Art hat eine verletzliche Geschichte. Es gibt nicht mehr viele Trupiale. Begegnet er dir in Yunka? Dann hast du Glück! Er ist eine seltene Erscheinung.
Grüner Leguan

Grüner Leguan

Auf einem warmen Stein liegt er regungslos in der Sonne. Grün, würdest du denken. Doch schau noch einmal genau hin.

Der Grüne Leguan ist nicht immer grün. Manche sind braun und Männchen können in der Paarungszeit sogar leuchtend orange werden. Ihre Farbe verändert sich durch Sonnenlicht, Stress oder ihre Stimmung.

Wird er dunkler, während er sich sonnt? Dann hilft ihm das, Wärme aufzunehmen. Er wirkt still, doch jede Farbveränderung erzählt etwas über das Leben im Dschungel.

Mit jedem Schritt durch Yunka spürst du, dass der Dschungel lebt. Vielleicht siehst du nicht alles, vielleicht hörst du nicht alles, aber überall ist Bewegung, Farbe und Klang. 

Jede Begegnung macht neugieriger. Auf das, was sich noch zwischen den Blättern dieses geheimnisvollen Ortes verbirgt.